WS 2019 Furkapass
Edvardas Bukota.

2431 ü.M.: Der Pass ist neun Monate im Jahr mit Schnee bedeckt nur an 100 Tagen befahrbar. Das Gebäude ist den Extremen des Wetters ausgesetzt und reflektiert diese in seiner Gestalt. In den Sommertagen ist es nicht betretbar, da man die Treppen nicht erreichen kann. Im Winter wird es durch die Schneedecke zugänglich und nutzbar - und widerspricht damit der Funktionsweise des Passes.

Tag 183: Seit drei Tagen ist es trocken, die Temperaturen sind stabil, der Nebel hat sich verzogen und die Strukturen des Gebäudes sind klar erkennbar. Alle beweglichen Elemente sind still und rufen die Sehnsucht im Betrachter hervor, das Gebäude zu betreten und zu erleben, was man sich im Sommer jedoch nur wünschen kann. Wenn es nur so einfach wäre, das Gebäude im Winter erneut zu besuchen.

Tag 249: Nachdem es die letzten Tage deutlich abgekühlt hat und der erste Schnee gefallen ist, hat es heute Nacht stark gewindet. Durch die erste Schneedecke ist das Gebäude zum ersten Mal zugänglich und kann von innen erlebt werden. Die Lamellen senken sich durch das Gewicht, die Netzstrukturen blähen sich und das Gebäude erwacht zum Leben.

Tag 22: Der Nord-Westwind tost seit Tagen mit Windstärke acht um die Rücken der Berge, es hat minus zweiundzwanzig Grad und die trockene Kälte klirrt. Durch die verwehten Schneemengen wirkt das Gebäude im Abendlicht wie eine aus dem Boden gewachsene, lebende Kreatur. Die Natur hat sich das Gebäude einverleibt und zu einem Produkt seiner Willkür gemacht.

Tag 45: Der Wind hat sich gelegt und die meisten Schneemassen aus der Struktur geblasen, nur in den Ecken sind einzelne Reste verblieben. Man ist umgeben von der mit Eis überzogenen Stahlstruktur, in der die veränderlichen Schneemengen den Raum transformieren und in einen Zustand kontinuierlicher Bewegung versetzen.

Tag 70: In den letzten Wochen gab es kontinuierlichen Schneefall, auch heute Nacht hat es wieder geschneit. Es ist windstill, ruhig und friedlich, man hört jeden seiner knirschenden Schritte im Neuschnee. Das Gebäude funktioniert nur noch durch die innenliegenden Treppen, da die Aussentreppen zugeschneit sind.

Tag 93: Aufgrund des Föhnsturms der letzten Tage ist viel Schnee geschmolzen, die Sonne hat die Struktur erwärmt, das Gebäude tropft und die davor im Schnee versteckten Elemente werden wieder sichtbar. Aufgrund der ständigen Schneeschmelze ist der Schneepegel gesunken und die Struktur ist nicht mehr begehbar.

Tag 115: Eine Kältewelle hat den kommenden Frühling unterbrochen, der schmelzende Schnee ist zu EIszapfen erstarrt und das Gebäude verwandelt sich in eine Eisskulptur. Wenn die Sonne ab dem Morgen auf das Gebäude scheint, hört man die Tropfen auf den Boden schlagen. Am Abend hüllt es sich wieder in Stille und erstarrt.


Studio Alex Lehnerer, ETH

Project by: Edvardas Bukota