WS 2019 Das Dritte Schiff
Nick Böwing.

Situationsplan

ABRISS

Die frühere Kultur, für die das Schauspielhaus am Pfauen als Denkmal Zeugnis ablegen soll, kann man nur schwer am Bestand ablesen. Das Theater versteckt sich hinter einer von Symbolik losgelösten Gründerzeit Fassade. Der Zuschauersaal, die Bühne, das Foyer, und erst recht die umliegenden technischen Räume verändern sich seit Bestehen des Theaters ständig. Kein Teil des Theaters bleibt unberührt.

Das Pfauen kann also nicht durch seine materielle Beständigkeit beschrieben werden. Mit den heutigen technologischen Anforderungen Theaters, wie zum Beispiel tiefere Bühnendekors oder Projektionen, stossen weitere Ausbesserungsversuche des immer schon schlechten Guckkasten nun an ihre Grenzen. Auch Bühnenlogistik und Lager sind mittlerweile ausgereizt.

Erdgeschoss
Längsschnitt

Das Denkmal des Pfauen liegt meiner Meinung nicht in seiner Verkörperten Substanz. Der Geschichtsträchtige Ort an dem es steht, seine beständige und berühmte Theaterkultur verleihen ihm seine wahre Besonderheit. Bleiben sie bei einem Neubau erhalten, so bleibt das Pfauen erhalten.

2. Obergeschoss und Querschnitt

GUCKKASTEN

Heutige Tendenzen hin zum Raumtheater werden mit dem strategischen Pendant des Schauspielhaus Zürichs, dem Schiffbau, weitestgehend gedeckt. Das Format Guckkasten bleibt indes immer noch relevant. Kein anderes Format spiegelt die Dialektik zwischen Zuschauer und Darbietungen besser wieder. Über die zeit wurde es so weit verfeinert, dass man klare technische Vorstellungen über seine Performanz hat.

1. Obergeschoss
Nord- und Südfassade

Dadurch dass, Künstler sich mit den Strukturen des Guckkastens auseinandersetzten, gewinnt ihre Arbeit an Qualität und Tiefe. Genau wie für Regisseure ist der Guckkasten durch sein starkes Program auch für Architekten interessant. Die starken Bezüge der einzelnen Elemente zu einander, garantieren Kohärenz. Paradoxerweise erlauben sie sich von zur Norm gewordenen Entwurfsmethoden wie Perimeter oder freiem Plan zu entfernen und wieder frei zu entwerfen.

Saal

STADT

Das Pfauen befindet sich an einem Schnittpunkt; gerade dort wo die Rämistrasse Zürich in verschiedene Körnungen aufteilt. Auf der einen Seite stehen freistehende Häuser, auf der anderen die dichte Altstadt und bizarre grosse Volumen der Universitätsinsel. Hierzu gehören auch die Kunsthausbauten. Wie es Zürich nun so einmal an sich hat, steht das Pfauen auf der falschen Seite der Strasse.

Das Pfauen in seinem Kontext
Der durch Verkehr zerschnittene Bezug zum Heimplatz

Es will sich auf den Heimplatz beziehen, gehört aber in die idiosynkratische Region der Eigentumshäuser. Das Pfauen ist also in der kuriosen Lage des Vermittlers und muss auf die umliegenden Städtebaulichen Strukturen reagieren. Gleichzeitig hat es aber die Chance einen eigenen Typus zu entwickeln und sich nicht krampfhaft zu zuordnen.

Die Eingänge zum Saal

VERTRAUTHEIT

Das Pfauen wird oft mit Vertrautheit in Verbindung gebracht. Für diesen Entwurf wurden sieben Faustregeln erarbeitet die eben diese Vertrautheit gewähren sollen. Die Regeln sind auf den technischen Gegebenheiten des Guckkasten, auf den Städtebaulichen Umständen am Pfauen, auf einer genauen Studie ikonischer Referenzprojekte, und auf generellen persönlichen Beobachtungen basiert.

Die Enfilade vom Eingang zum Foyer


Studio Alex Lehnerer, ETH

Project by: Nick Böwing