Kraftwerk

WS 2020
Carlotta Bonura und Büşra Köroglu
151.504 Entwurf 1
Studio Kronesgasse [KREG002], TU Graz
Einführung Donnerstag 08.10.2020, 10:00 Uhr

Ich befinde mich gerade vor einer Felsmasse: eine Figur, die Landschaft sein will. Ich wünschte, ich könnte dir die Kraft dieses Bauwerkes beschreiben, damit du sie in dir spüren kannst. Von den mächtigen Mauern strömt das Wasser hinunter. Wenn ich hinaufblicke, scheint die Vertikalität dieser Mauer nie zu enden. Meine Präsenz hier kommt mir unwahr vor. Das Geräusch des strömenden Wassers beruhigt mich. Ich gehe Stufen hinauf, sehe dann eine kleine Tür. Dadurch gelange ich zu der Rückseite. Plötzlich fühlt sich alles wieder so bekannt an ...

Ein Kraftwerk ist kein repräsentativer Bau, der versucht die Welt romantisch neu zu verzaubern und darzustellen. Diese brutale Architektur ist ein Monument in der wilden Landschaft. Eine Figur, deren Fundament im Wasser verschwindet, die außerhalb unserer Sichtweite existiert und unsere Spuren verwischt. Es ist möglicherweise das erste Mal, dass wir an einem Bauwerk arbeiten, welches ursprünglich nicht für die Bewohnung durch Menschen gedacht war und auch keine Anforderungen an die Beziehung zwischen Innen und Außen setzt.

Demgemäß wollen wir das Kraftwerk als Figur betrachten, die Landschaft sein will. Somit verleihen wir diesen markanten Bauwerken einen Ausdruck über ihre Funktionalität hinaus. Was ist die Kraft dieser Figur? Die Faszination von Staumauern, Trafohäusern oder Silos steckt hinter diesen robusten, überdimensionierten Bauwerken von menschlicher Hand geschaffen und in einem Landschaftsraum eingebettet. Diese Monumente sind die Repräsentation der vorherrschenden technischen Möglichkeiten der Menschheit. Es ist ein Dialog zwischen Architektur und Landschaft. Die regionale Identität bleibt. Das Ziel ist nicht, die industrielle Mechanik des Bauwerks zu verstehen, sondern eine Sensibilisierung des Bauens in der Landschaft zu erreichen.

Der Entwurf soll in einem sinnlichen und narrativen Ausdruck dargestellt werden, in Form von Handzeichnungen, Modellen, Fotografien und Texten. Die Semesteraufgabe beginnt mit dem Entwerfen von einem Stromhäuschen, wo es um die äußere Erscheinung geht und nicht um den Innenraum. Eine Figur, die Haus sein will. Ein Haus ohne Raum. Die Arbeit wird im Modell 1:20 gebaut.

Kraftwerk
Kraftwerk Voitsberg (Foto: Lena Prehal)
Roselend dam, upper facing detail (Foto: Céline Clanet)
Baustelle Gelmermauer, Arnold Brügger, 1888-1975
Architektur ohne Architekten, Bernard Rudofsky
Transformatorenhaus Dornach
Dampfkraftwerk Neudorf-Werndorf, Ferdinand Schuster, 1969 (Foto: Karin Ritter)