SS 2020 Zu schwach zum Stehen
Philipp Mayr.

Auch wenn unsere Gebäude vertikal in die Höhe ragen, spielt sich das Leben darin rein Horizontal ab. Wir bewegen uns auf einer Ebene, unser Blick nach außen durch die immer gleiche Fensterhöhe ist der selbe. Die verschiedenen Räume und Funktionen werden durch Türen getrennt. Die gleiche Raumhöhe wird nur durch den Sturz unterbrochen. "Die Decke fällt einen auf dem Kopf" hört man zur Zeit von vielen Seiten.

Wie sieht das Leben in der Wohnung aus wenn der Grundriss zum Schnitt wird und der Schnitt zum Grundriss? Die eine Decke über dem Kopf gibt es nichtmehr, jedoch ist die ehemalige Decke jetzt eine Wand und nicht weniger beklemmend. Durch das auflösen der tragenden Wand fällt einem die Decke wirklich auf den Kopf. Das Problem muss in der Konstruktion stecken.

Bei diesem Projekt habe ich mich mit diesen Fragen beschäftigt und versucht eine "Gegenwohnung" zu entwerfen. Mit der einen Wohnung aus dem Gebäude auszubrechen und sie aufzustellen. Eine Konstruktion ohne tragende Außenwände, verbunden nur durch einen Rahmen der sich dreidimensional um den Kern windet. Im Kern gibt es zwei vertikale Wandscheiben welche Räume trennen, aber nicht den Außen- und Innenraum. Der Kern und die auskragende Decken werden von einem Rahmengeflecht umspannt welches wiederum Wandscheiben, Fenster, Treppen und Möbel umschließt. Es gibt keine Türen, die Räume werden durch Niveauunterschiede und den verschiedenen Raumhöhen unterscheiden. Keine Parapet und kein Sturz ist gleich. Die Möbel sind aus dem Rahmen ausklappbar.