SS 2020 Zu schwach zum Stehen
Antonia Prohammer.

Der Bürger steckt sein Habitat ab. Auf den Quadratmeter genau. Modell Living 0815 mit wahlweisem Sattel oder Flachdach. Schon freut er sich auf die 2.40 Meter hohen weißen Wände, komfortabel und unaufgeregt möchte er sein Leben in diesen durchschnittlich hohen Räumen verbringen.

Die Wohnraumproduktion im Bereich des Haues zeichnet sich durch die totale Abstraktion der Elemente aus. Wand, Decke und Boden verschmelzen in diesem Raum der Moderne zu einem einheitlichen, nahtlosen Weiß. Hier feiert sich die Enthaltungskultur selbst.

Das Gegenhaus tut dies nicht. Es artikuliert die Wand durch ihre mangelhafte Höhe, gibt dem Dachraum Charakter und stellt eine Stütze in den Raum die das Dach berührt oder auch trägt? Es gilt das Credo „Keine Entscheidung zu treffen, keine Haltung zu haben, ist auch eine Entscheidung, ist auch eine Haltung.“ Hier werden Entscheidungen getroffen, das Gegenhaus hat eine Haltung.

Jetzt erfasst man auch das Haus. Schwer ruht das dunkle Dach auf den gedrungenen Mauern. Vielleicht zu niedrig hängt die Traufe, wenn etwas weiter oben nicht, wie eine aufgezogene Ziehharmonika ein weiterer Dachabschluss sitzen würde.

Die Quadratmeter stimmen, die Wandhöhe nicht.

Die Stufen zum letzten Raum hin leiten einen ins Dach. Immer näher rückt die Wandkante, vorbei am Kopf und kommt schließlich auf 1.05 Meter zu ruhen. Hier läuft der Träger quer durch den Raum er ist Dach und auch Wand.

Entlang dieser dicken zu niedrigen Wand schauend eröffnet sich rechts der Blick auf den gekachelten Boden. Die Treppen hinunter in den Kamin geben auch gleichzeitig den Blick auf die Stadt hinunter frei. Der Boden ist warm.